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Eine Reise nach Auschwitz

 

"Mancher, der Auschwitz besuchte, war irritiert, dass der erste Eindruck den Superschock verweigert, das größtmögliche Entsetzen."

(Christoph Diekmann)

 

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25 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse fragten sich, wie es sein wird, nach Auschwitz zu kommen.

Auf eigenen Wunsch fuhren Sie am Ende des vergangenen Schuljahres nach Oswiecim. Nur 150 Jahre seiner 800 jährigen Geschichte trug es den deutschen Namen "Auschwitz", der dieser Stadt anhaftet, als gäbe es sie nur in Verbindung mit den Lagern Auschwitz und Auschwitz-Birkenau.

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Halina, die in Oswiecim lebt und dort viele Jahre als Lehrerin gearbeitet hat, führte uns durch beide Lager. Jede Führung dauerte 4 Stunden. Und hier holte es uns ein: der "Superschock, das größtmögliche Entsetzen. [...]

Du willst den Ort begreifen, da ein heiligerer nicht existiert. Du denkst an Celan, die schwarze Milch, das aschene Haar, die Gräber in den Lüften, aber auch das ist Ästhetik und also das Gegenteil des Ortes." (Ebenda)

Auschwitz aber ist nicht zu begreifen. Unsere Jugendlichen blätterten in den Totenbüchern von Auschwitz, um die Namen der Kinder von Izieu zu suchen, die in den Gaskammern ermordet worden sind.

Das Schicksal dieser Kinder wurde von unseren Schülern erforscht. Sie arbeiten an einer Ausstellung, die am Tag des Gedenkens der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, dem 27. Januar 2017, dem Tag der Befreiung des Lagers, in unserer Schule gezeigt wird. Viele Jahre schon gibt es die Tradition in Königs Wusterhausen, die Gedenkstunde von Schülern einer Schule der Stadt gestalten zu lassen. Unser Gymnasium arbeitet bereits zum fünften Mal an der Ausrichtung der Feierstunde zu diesem Gedenktag.

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Einen ganzen Raum füllen die Totenbücher von Auschwitz. Unsere Schülerinnen und Schüler haben die gesuchten Namen gefunden, alle 41. Würde man die Namen aller jüdischen Opfer einschließlich ihrer Lebensdaten vorlesen, es würde sechseinhalb Jahre dauern.

Wer nach Auschwitz kommt, bleibt geprägt. Alle 25 Jugendlichen sagten, dass die Eindrücke ihr Leben lang bleiben werden. Die meisten der über 1 Million jährlichen Besucher der Gedenkstätte verlassen den Ort wieder am selben Tag. Wir sind 4 Tage geblieben und haben so auch die andere Seite Oswiecims kennen gelernt: sein Flüsschen Sola, seine Fürstenburg, seine lange jüdische Geschichte - 60 Prozent der Einwohner vor der deutschen Besetzung waren Juden -, den jüdischen Friedhof, die einzig erhaltene Synagoge...

Geschichte und Gegenwart des Ortes haben sich unsere Schüler durch Führungen, Ausstellungen und auf eigene Faust angeeignet. Die Vielfalt hat sie überrascht.

"Man fragt sich, wie zu leben ist an einem Ort, dessen Bahnhofskiosk Ansichtskarten von der Erschießungswand präsentiert." (Ebenda)

Unsere Jugendlichen haben sich davon ein Bild gemacht und sie haben versucht, beidem gerecht zu werden: dem lebendigem Oswiecim und den Opfern von Auschwitz. Tadellos war das Verhalten unserer Schüler; das hat uns begleitende Lehrer stolz gemacht.

 

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Immer hat es geregnet, nur der Tag in Krakau - der 15. Juni 2016 - war ein Sonnentag.

Das jüdische Viertel Kazimierz, der Wawel, die Tuchhallen, die Marienkirche mit ihrem Turmbläser, die alte Jagiellonen-Universität, die zweitälteste Mitteleuropas, an der bereits Kopernikus studierte, die Fabrik Oskar Schindlers ..., all´ diese Sehenswürdigkeiten haben wir uns auf Schusters Rappen erschlossen an der Seite einer kleinen Frau mit großem Wissen, die uns durch diese märchenhafte Stadt geführt hat. Im jüdischen Stadtteil Kazimierz haben wir bei sehr modern interpretierter Klezmer-Musik den Tag ausklingen lassen, wir waren begeistert, einige regelrecht aus dem Häuschen.

Was für eine Reise: durch die Kulturen, Religionen, durch sämtliche historische Epochen, durch architektonische Baustile, zu den Sternen Kopernikus´und in die Hölle von Auschwitz.

Der Historiker und Leiter der Gedenkstätte Buchenwald sagte in einem Interview, "dass junge Leute dichtmachen und nichts mehr davon hören wollen, wenn sie in das Thema hineingenötigt und hineinmoralisiert werden."

Wir danken unseren 25 Schülerinnen und Schülern, dass sie uns nicht in diese Verlegenheiten brachten. Danke für euer großes Interesse, euer würdevolles Verhalten, eure vielen Fragen und euer Mitgefühl. Ihr habt so auch für uns diese Reise unvergesslich gemacht.

 

Eure begleitenden Lehrer Herr Wulfert und Frau Simonn-Piotrowski

 

Am 28.09.2016 bearbeitet von MCL.

 

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